Warum braucht man Sowas?

Häufig kommt man in die Situation, das man nach dem Druck eines Objektes noch diverse Nacharbeiten im Finishing machen muss. Am häufigsten wohl das Entfernen von Stützmaterial und anderem Support wie Brim oder Raft. In den letzten Tagen habe ich ein neues Tool zur Nachbearbeitung („Finishing“) von 3D-Druckteilen ausgiebig getestet. Dabei handelt es sich um das Finishing-Tool von MODIFI3D. Das Tool war mir bereits von Kickstarter bekannt und wurde inzwischen veröffentlicht. Mein Exemplar habe ich hier über Amazon geordert. Ursprünglich kommt der Produkt Retailer aus England, einen Händler in Deutschland habe ich nicht gefunden. Natürlich ist das MODIFI3D trotzdem verfübgar und es blieb die Bestellung über Amazon.

Video des Herstellers

Unboxing

Die Um-Verpackung war wider meiner Erwartungen kein Karton, sondern eine Büchermappe. Auch gut, dachte nur da kommt was Größeres mit der Lieferung. J

Raus kam eine recht übersichtliche und schlanke Verpackung. Mich persönlich hat das letztlich sehr gefreut, da so die 3D-Werkstatt nicht nochmal deutlich mehr Platz braucht. Man hat ja noch viele andere Dinge… Für einige von Euch, ist das sicher zu vernachlässigen.

Lieferumfang – Zubehör und Toolspitzen

Im Lieferumfang von dem Set sind standardmäßig folgende Dinge enthalten:

  • das eigentliche Tool
  • Anleitungs-Link (leider nicht auf deutsch)
  • Schutzkappe
  • 4 unterschiedliche und wechselbare Tool-Spitzen
  • ein Anschlusskabel für USB
  • ein Ständer aus Metall zum Ablegen des Tools

Standardmäßig sind 4 beschichtete Tool-Spitzen zum Nachbearbeitungswerkzeug mit dabei. Die Beschichtung der Spitzen soll ein Haften des Materials (z.B. PLA) beim Finishing verhindern. so dass das Tool sauber bleibt. Die folgenden Tools sind enthalten:

 

 

 

 

 

Erster Einsatz und Test

Nach dem Auspacken habe ich mich gleich an das Review und den ersten Finish gemacht. Dafür habe ich einfach ein Ladegerät fürs Handy als USB Stromquelle genommen und mit dem Pen verbunden. Laut Beschreibung soll das Tool aber an jeder USB-Schnittstelle funktionieren, auch am Computer. Ich finde das so prima designed. Dabei soll das Produkt bis zu maximal 8 Watt Leistung erzeugen können. Als erstes Testobjekt hab ich gleich was ziemlich großes ausgepackt. Einen Stormtrooper-Helm den ich mit dem Creality CR-10 nach dem Umbau auf den Zen-Mod als Langzeit-Test gedruckt habe. Diesen habe ich an einem Stück in volle Größe gedruckt. Um das realisieren zu können, war einiges an Support notwendig. Diesen hatte ich bereits nach dem Druck mit einer Zange und einem Seitenschneider grob entfernt. Schön sah das dann aber trotzdem noch nicht aus, sondern eher nach halb fertig. Der Helm ist also ein ideales Testobjekt für das MODIFI3D Finishing-Tool J

Ein und Ausschalten

Das ist relativ clever gelöst wie sich später beim Arbeiten mit dem Finishing-Tool gezeigt hat. Und zwar ist ein kleiner ballförmiger Touch-Schalter in den Griff eingelassen, was optimal ist für die Bedienung mit einer Hand. Das ist sicher best in practice so. Das Gerät schaltet nach 25 Sekunden automatisch die Beheizung aus. Da stimmt die Info aus der Werbung 100%. Eine Berührung des Touchballs sorgt dafür, dass das Tool wieder 25 Sekunden heizt. So lässt sich das bequem regeln beim Arbeiten. Man erreicht auch schnell wieder eine niedrigere Temperatur wenn man diese benötigt. Das automatische Abschalten zahlt natürlich direkt auch auf das Sicherheitskonto des Tools ein.

Finishing-Tool zur Nachbearbeitung von 3D-Druck-Objekten im Test

Material entfernen und Glätten

Um weiteres Material zu Entfernen und Oberflächen zügig zu glätten, schien mir das flache Tool mit der scharfen Kante das richtige Werkzeug zu sein. Also habe ich das als erstes verwendet. Die angegebene Aufheiz-Zeit von 15 Sekunden kann ich mehr oder weniger bestätigen. Auch hier stimmt die Info des Herstellers aus den Produktinformationen. Ob es jetzt 15 Sekunden waren oder 30 kann ich nicht genau sagen. Sagen wir einfach das Finishing-Tool ist unter 1 Minute auf Arbeitstemperatur. So viel Zeit bringt sicher jeder mit, der mit Sowas arbeiten möchte. Meine Erwartungen an das Tool hat es erfüllt. Das überflüssige Material das noch vorhanden war konnte ich zum Glätten verwenden oder mit der scharfen Kante einfach abtragen und entfernen. Das hat prompt gut funktioniert und man kann schnell eine Oberfläche erreichen, die sich sehr gut weiter mit Schleifpapier bearbeiten lässt für das finale Finishing. Hier ein Nachher-Ergebnis wenige Minuten später:

Finishing-Tool zur Nachbearbeitung von 3D-Druck-Objekten im Test

Lasst euch nicht täuschen, das sah deutlich besser aus in Natura, als in dieser starken Vergrößerung. Das hat in jedem Fall schon mal sehr gut funktioniert. Auch die Blobs wegen der schlechten Retract-Einstellungen konnte ich mit dem Tool leicht in den Griff bekommen. Dafür eignete sich aber dann später das Löffelchen besser.

Detail Finishing mit dem kleinen Löffel

Für das Nachbearbeiten von einigen Details an dem Helm habe ich die Spitze mit dem kleinen Löffel verwendet. Unter anderem die Augenpartie hatte beim Druck sehr starke Überhänge das sich im Druckbild abgezeichnet hat. Mit dem Löffel konnte ich mir hier viel Zeit sparen und Geduld sparen, die ich sonst mit Schleifpapier verbracht hätte.

Finishing-Tool zur Nachbearbeitung von 3D-Druck-Objekten im Test

Wie man auf dem folgenden Bild sehen kann, sah die Aussparung für die Augen hinterher bereits deutlich besser aus. Die weitere Nachbearbeitung ist jetzt in einem Bruchteil der Zeit möglich.

Finishing-Tool zur Nachbearbeitung von 3D-Druck-Objekten im Test

Blobs und Zits entfernen

Wie bereits erwähnt hatte ich beim Druck nicht optimale Retraction-Einstellungen. Das war direkt nach dem Umbau des Druckers mit neuem Filament. Ergebnis waren Blobs. Normalerweise würde ich die mit Seitenschneider und Skalpell entfernen, das geht relativ gut, ist natürlich aufgrund der Anzahl relativ mühselig. Mit dem Finishing Tool ging das bedeutend schneller und angenehmer. Dazu habe ich ebenfalls das kleine Löffelchen, sowie die scharfe Kante genommen.

Auch hier gilt das sieht in echt deutlich besser aus als auf dem Foto. Ich habe extra Einstellungen für die Fotos genommen, welche die Details stark zeigen.

Finishing-Tool zur Nachbearbeitung von 3D-Druck-Objekten im Test

Verfeinern von Details

Einige Vertiefungen und Details am Helm waren ohne Support gedruckt waren deshalb ebenfalls mit starken Überhängen. Mit Schleifpapier hätte ich nur sehr schlechte Möglichkeiten gehabt, das ordentlich herauszuarbeiten. Mit dem Finishing-Tool ging das ganz gut wie auf den folgenden Bildern sehen kann. Dafür habe ich ebenfalls das kleine Löffelchen verwendet.

Finishing-Tool zur Nachbearbeitung von 3D-Druck-Objekten im Test

Finishing-Tool zur Nachbearbeitung von 3D-Druck-Objekten im Test

Fazit zum Finishing-Tool

Ich bin im Großen und Ganzen bereits sehr zufrieden mit dem kleinen Werkzeug von Modifi3D. Das Zubehör aus dem Set war völlig ausreichend. Die Beschichtung der Spitzen hat mit dem verwendeten PLA Filament gut funktioniert und da blieb eigentlich nix „pappen“. Abgestreiftes Material konnte ich schnell und einfach auf mehrfach gefaltetem Küchenrollen-Papier entfernen. Bei der Bearbeitung von PETG Filament ist das Verhalten beim Finish ziemlich identisch, was ich an einem kleinen Druckstück getestet habe. Da war kein großartiger Unterschied zu PLA aufällig. Da spielt eher die Größe und Form der Prints eine Rolle. also je nachdem wie fein eure Parts sind müsst Ihr natürlich sensibler oder weniger sensibel mit dem Nachbearbeitungswerkzeug arbeiten.

Die Temperatur lässt sich gut durch den kleinen Touch-Knopf auf Niveau halten und ist gerade beim Arbeiten mit dem Tool eine gute Lösung gegenüber einem richtigen Schalter. Das Arbeiten mit dem Finishing-Tool hat Spaß gemacht und man erreicht in kurzer Zeit überzeugende Ergebnisse damit. Für sehr gute Ergebnisse erfordert es sicherlich ein wenig Übung damit.

Auch nach längerer Dauerarbeit mit dem Tool ist der Griff nicht unangenehm warm geworden und ich habe auch keine schwitzigen Hände bekommen. Das ist definitiv ein Qualitätsmerkmal, auf das geachtet wurde. Ebenfalls ist das Tool sehr leicht und liegt gut in der Hand.

Die Lösung der Stromversorgung per USB war mir erstmal nicht so wichtig bzw. egal. Ich habe allerdings dann später die Idee gehabt, das Finishing-Tool an einer Powerbank zu betreiben, was auch sehr gut funktioniert hat und was ich vermutlich das ein oder andere Mal sicher wieder so tun werde.

Für mich hat sich das Tool bereits bewährt und ich werde es auch nach dem Review behalten. Das MODIFI3D Finishing-Tool gibt es hier. Ich hab zwar keinen Bedarf dafür , aber weitere Spitzen sind dort erstmal nicht für das Produkt verfügbar. Auf der Website des Herstellers gibt es außerdem noch eine Vorlage für einen Halter, den man sich ausdrucken kann. In diesem Halter ist das Nachbearbeitungswerkzeug wunderbar aufgeräumt. Eigentlich eine klasse Idee! Ihr findet dort auch weitere Produktinformationen.